Die siebte Feder – Luisa verliert ihren Feenfuchs

20140529_171626

Laguna, mein persönlicher Feenfuchs, ist am glücklichsten, wenn sie dreckig ist. Keine Pfütze ist zu tief, kein Sandloch zu schmutzig. Wenn es ihr gelingt, überrascht sie mich jeden Tag mit einer schönen Schlammpackung, die ich häufig nur mit Hammer und Meißel von ihr runterbekomme ;). Trotzdem würde ich mein Füchschen nicht missen wollen – die Hilflosigkeit die Luisa empfindet, als ihr Ophelia weggenommen wird, würde ich auch spüren. Hoffentlich gibt es ein Happy End …

1. Kapitel aus “Feenfuchs und Feuerkuss”

1 Faszination

Luisa trat fester in die Pedale ihres Hollandrades. Der kalte Märzwind zerzauste ihre schwarzen Locken, fuhr in ihre Jackenärmel und brachte sie zum Frösteln. Morgentau lag auf den Feldern, doch sie hatte keinen Blick übrig für die malerische Landschaft, obwohl sie eine Seltenheit im Ruhrgebiet war. Luisa war in Eile. Sie wollte Ophelia noch unbedingt vor der Schule sehen, aber das Lichthang Gestüt lag weiter entfernt, als sie es in Erinnerung hatte.
Luisa versuchte einen Blick auf die Uhr zu werfen, doch der schmale Feldweg war so holprig, dass ihr altes Rad immer wieder ins Schlingern geriet.
Ich brauche ein Mountainbike, wenn ich Ophelia nicht schnell wieder zum Valentinshof holen darf, dachte Luisa und erschauerte bei der Vorstellung, dass ihr Pferd für längere Zeit an dem neuen Stall stehen würde, wo Luisa sie nicht pflegen oder reiten durfte.
Ihre Mutter, resolute Anwältin für Umweltrecht, hatte wie üblich nicht lange gefackelt und ihr Springpferd vor zwei Tagen wegen Luisas schlechten Noten zum Lichthang Gestüt bringen lassen. Dort würde es versorgt und von einem der Bereiter trainiert, bis Luisa nicht mehr versetzungsgefährdet war. Dass ihre Stute sehr sensibel war, interessierte ihre Mutter Eva bei ihrer pädagogischen Maßnahme wenig. Luisa hatte vergeblich versucht ihr klar zu machen, dass Ophelia sehr anspruchsvoll im Umgang war und die Umstellung nur schwer verkraften würde.
„Wenn sie wieder krank wird, Mama, bist du schuld“, zischte Luisa und wich in letzter Sekunde einem Schlagloch aus.
Sie versuchte ihre Entrüstung für einen Moment ruhen zu lassen und ihre hellbraunen Augen konzentriert auf den Weg gerichtet zu halten, um nicht zu stürzen.
Dann hatte sie endlich die ersten Weiden des Gestüts und eine geteerte Straße erreicht.
Langsam fuhr sie auf das Privatgrundstück und betete, dass sie nicht erwischt wurde. Ihre Mutter würde kochen vor Wut. Luisa versteckte ihr Rad hinter einer Hecke am Hängerparkplatz und schlich unbemerkt durch das schmiedeeiserne Tor. Um diese Zeit lag der Hof noch still vor ihr. Da sie vor Kurzem das Neujahrsturnier des Gestüts besucht hatte, wusste sie ungefähr, wo die Berittpferde untergebracht waren. Sie hastete die Stallgasse entlang und hielt Ausschau nach ihrer Fuchsstute. Pferdeköpfe streckten sich ihr interessiert entgegen, doch Ophelias war nicht dabei. Am Ende der Stallgasse befand sich noch eine Box im Halbdunkeln.
„Ophelia!“, wisperte Luisa aufgeregt und trat vor die Box. Endlich hatte sie ihr Pferd entdeckt.
Die hübsche Stute stand in der Ecke und zuckte erschrocken zusammen, als Luisa die Boxentür öffnete. Ophelia war gestern nach dem Reiten nicht geputzt worden, ihre Sattellage, der Hals und der Kopf waren von getrocknetem Schweiß ganz stumpf.
„Was haben die mit dir gemacht, mein Mädchen?“, flüsterte Luisa und betrat die Box.
Zu ihrem Entsetzen wich Ophelia vor ihr zurück. Mit gesenktem Blick murmelte Luisa: „Ich bin’s doch, Ophelia. Keine Angst. Ich bin’s. Ganz ruhig, mein Feenfuchs.“
Tränen drohten ihr in die Augen zu steigen, aber dann ließ sich ihre Stute von ihr berühren.
„Oh, Ophelia. Es tut mir so leid.“ Luisa strich über das verklebte Fell. „Ich bringe dich zurück nach Hause. So schnell ich kann …“
„Kannst du mir vielleicht verraten, was du hier zu suchen hast?“
Luisa drehte sich erschrocken zu der zornigen Stimme um. Vor der offenen Boxentür stand ein alter Mann in Arbeitskleidung mit einer Ration Heu in den Armen.
„Können Sie mir vielleicht verraten, warum mein Pferd so schreckhaft ist? Und warum wurde es verschwitzt in die Box gestellt?“, entgegnete Luisa.
Der Mann kniff die Augen zu Schlitzen zusammen und wirkte trotz seines Alters plötzlich sehr bedrohlich. Luisa suchte Halt an Ophelias Hals.
„Raus aus der Box, junges Fräulein. Deine Mutter hat dem Chef aufgetragen, dich zu verpfeifen, wenn du hier auftauchst. Also, verschwinde, dann hab ich dich vielleicht nicht gesehen.“
Luisa spürte, dass ihr Kinn zitterte.
Mist, fluchte sie in Gedanken. Sie musste jetzt stark bleiben. Für Ophelia.
„Wissen Sie, bestellen Sie meiner Mutter doch einfach einen schönen Gruß, wenn Sie sie das nächste Mal sehen. Ich lasse mich nicht so schnell verscheuchen.“
Der Alte schüttelte den Kopf. „Keine Diskussion. Jetzt ist Futterzeit und da hat niemand außer mir was im Stall verloren, auch keine freche Göre. Also, ab jetzt!“
Luisa straffte ihre Schultern. „Ich will trotzdem wissen, warum Ophelia nicht geputzt wurde. Wenn man sie schon schweißnass reitet, sollte man sie danach wenigstens anständig versorgen.“
Der Mann warf das Heu unter Ophelias Tränke. Zu Luisas Beruhigung fing ihre Stute langsam an, die grünen, duftenden Halme zu knabbern. Sie kraulte ihr den Widerrist.
„Im Moment ist die Zeit knapp, aber das bisschen Schweiß auf dem Pelz hat noch keinem Pferd geschadet.“ Der Stallmeister deutete mit dem Daumen auf die Tür. „Ab in die Schule mit dir.“
Luisa verließ schweren Herzens die Box. „Ich komme später wieder, Ophelia, keine Sorge.“
Dem Stallmeister warf sie einen strengen Blick zu, den sie von ihrer Mutter gelernt hatte, und verließ den Stall. Es war schlimm für sie, ihr Pferd zurücklassen zu müssen.

Luisa kam gerade noch rechtzeitig in der Schule, dem Schillergymnasium, an. Sie war immer noch vollkommen aufgelöst. Ihre Mutter ahnte nicht, was sie ihr antat.
Sie hastete über den leeren Vorplatz und schlidderte in der Eingangshalle in niemand Geringeren als ihre Schulleiterin hinein.
„Oh, hallo, Frau Kunze.“ Luisa versuchte ein gewinnendes Lächeln zustande zu bringen.
„Auf den letzten Drücker, Luisa?“, fragte ihre Schulleiterin missbilligend.
„Genau pünktlich“, antwortete sie und presste die Lippen aufeinander.
Frau Kunze zog eine Augenbraue hoch. „Wir haben schon auf dich gewartet.“ Sie deutete auf eine Person im Hintergrund, die Luisa bis dahin gar nicht bemerkt hatte. „Das ist Sam.“
Sam Weston, schoss es Luisa durch den Kopf. Der Junge, der Anfang des Schuljahres auf ihre Schule gekommen war.
„Aus England“, fügte Luisa hinzu und erschrak. Hatte sie das etwa laut gesagt?
„Genau, aus England“, bestätigte Frau Kunze.
Luisa warf Sam einen vorsichtigen Blick zu. Er starrte aus graugrünen Augen auf sie herab. Seine dunkelbraunen Haare fielen ihm in die Stirn. Luisa und ihre Freundinnen beobachteten den Neuen gerne auf dem Schulhof und schlossen Wetten darauf ab, wann sie ihn das erste Mal lächeln sehen würden, denn der Junge aus der zwölften Klasse lächelte nie. Er hob seine markanten Augenbrauen ein Stück und nickte ihr reserviert zu.
„Deine Mutter hat dich im Nachhilfeprogramm unserer Schule angemeldet. Sam ist von nun an dein Pate und wird mit dir bis zu den Osterferien den Lernstoff täglich aufarbeiten. Dann schaffst du die Versetzung in die elfte Klasse bestimmt. Als Muttersprachler kann er dir vor allem in Englisch gut helfen.“
„Wunderbar“, sagte Luisa und zwang sich das Gesicht nicht zu verziehen. Hatte ihre Mutter sie vielleicht auch hinter ihrem Rücken in einem Kloster angemeldet? Damit ging sie nun wirklich zu weit.
Das ist immer noch mein Leben, knurrte Luisa in Gedanken.
„Ihr trefft euch heute nach der sechsten Stunde. Dann könnt ihr alles Weitere besprechen.“
Luisa nickte Frau Kunze zu. Eine verbale Zustimmung brachte sie gerade nicht über die Lippen.
„Einen erfolgreichen Schultag“, flötete die Schulleiterin, als sie ging.
Luisa atmete erleichtert auf. „Bleibt fleißig“, äffte sie Frau Kunzes fröhlichen Ton nach.
„Dann bis später im Schülercafé?“, fragte Sam.
Luisa erstarrte.
Oh mein Gott, hat der eine umwerfende Stimme, dachte sie.
Schnell klappte sie ihren Mund wieder zu. „Ja, bis später. Im Schülercafé“, antwortete sie und winkte ein wenig unbeholfen.
Und dann geschah es! Eine klitzekleine Veränderung und doch nicht zu übersehen: Sam lächelte ihr zu! Seine Mundwinkel hoben sich ein winziges Stück und seine weichen Lippen entblößten weiße Zähne.
Hilfe, schoss es Luisa durch den Kopf, das kam überraschend.
Sie lächelte breit zurück. Der Gedanke, was ihre besten Freundinnen Molly und Jess dazu sagen würden, wenn sie ihnen erzählte, dass Sam Weston sie angelächelte hatte, stimmte sie geradezu begeistert. Dann drehte der Junge aus England sich um und ging in seinen schwarzen Boots davon.
Sie merkte, dass sie immer noch lächelte, während sie zu ihrem Klassenraum eilte. Dabei passierte sie den Flurspiegel vor den Kunstklassen. Sie warf einen flüchtigen Blick hinein und ihr Herz setzte einen Schlag aus.
Plötzlich war ihr alles klar!
„Er hat mich nicht angelächelt, er hat mich ausgelacht“, stammelte sie, wischte sich über das Gesicht, das von der Aufregung ganz gerötet war und zupfte zornig das Heu aus ihrem Haar. „Super Auftritt, Luisa“, fuhr sie ihr Spiegelbild an.

Luisa starrte auf die vollgekritzelten Seiten ihres gelben Reclam-Heftes Die Leiden des jungen Werthers. Was für ein passender Titel, sie litt gerade schrecklich.
Ob Ophelia gerade wieder geritten wird? Sie durfte nicht daran denken, was gerade mit ihrem Pferd passierte.
„Luisa, könntest du bitte Werthers Konflikt in dem Brief vom 30. Mai beschreiben?“
Luisa zuckte zusammen und starrte in das verkniffene Gesicht ihrer schon ziemlich betagten Deutschlehrerin.
„Entschuldigung, ich habe gerade nicht zugehört.“ Sie strich sich verlegen eine schwarze Locke hinter die Ohren.
„Gerade nicht zugehört? Ich habe den Eindruck, dass du in den letzten Wochen weder zugehört noch irgendwas Konstruktives von dir gegeben hast.“ Frau Müller-Reineke schrieb eine kurze Notiz in ihr kleines schwarzes Buch.
Mist, das hat mir gerade noch gefehlt! Sie versuchte sich zu konzentrieren und blätterte hektisch in ihrem Heft. Was für Konflikte konnte eine Romanfigur mit Liebeskummer schon haben? Ihre eigenen Probleme waren momentan wichtiger.
Aber wenn sie es sich jetzt auch noch mit Frau Müller-Reineke verscherzte, dann sah sie ihr Pferd nie wieder. Schon bei dem Gedanken die Osterferien, die in zwei Wochen begannen, ohne Ophelia verbringen zu müssen, standen ihr die Haare zu Berge standen. Da wollte sie sich ein Leben ohne ihre Fuchsstute gar nicht erst vorstellen.
Der strenge Blick ihrer Deutschlehrerin brachte die Gedanken an ihr Pferd zum Stillstand und Luisa versuchte zu verstehen, was Werther in seinem Brief an Lotte sagen wollte. Aber kaum hatte sie ein paar Zeilen gelesen, schlichen sich ihre Gedanken wieder zurück zu Ophelia.

Die Klingel rettete Luisa. Hastig packte sie ihre Sachen zusammen. Goethes Werther landete dabei ganz tief unten in ihrer Tasche, wo schon ihr Matheheft und ihr Englischbuch Eselsohren kriegten. Sie eilte an Frau Müller-Reineke vorbei und vermied es dabei sie anzuschauen. Trotzdem spürte sie die durchdringenden Augen ihrer Lehrerin auf sich, als sie die Klasse verließ. Es schien allgemein ein neues Hobby zu sein, Luisa Frost fest im Blick zu haben. Wenn das mal nicht auch das Werk ihrer Mutter war.

Molly und Jess warteten schon im Schülercafé auf sie. Die beiden waren in einem anderen Deutschkurs als sie gelandet, ganz zu Luisas Leidwesen, aber jetzt konnte sie ihre Freundinnen in den Arm nehmen und ihnen endlich von ihrem schrecklichen Morgen erzählen.
Molly war aber schneller als sie und fragte: „Wie geht es Ophelia?“
Luisa atmete schwer aus. „Sie war heute Morgen total schreckhaft. Außerdem ist sie verschwitzt weggestellt worden.“
Molly schüttelte traurig den Kopf. „Die Arme. Wann darfst du sie zu uns zurückbringen?“
Luisa schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, wann ich sie wiederbekomme. Ich hoffe, dass ich meine Mutter bald überreden kann.“
Ophelia hatte bisher auf dem Valentinshof gestanden, dem Reitbetrieb von Mollys Familie. Dort war ihre Fuchsstute zuhause und dort musste Luisa sie so schnell wie möglich wieder hinbringen.
„Wir helfen dir deine Mutter umzustimmen“, versprach Jess.
Luisa lächelte. Wenn jemand ein Überredungskünstler war, dann Jeska Rubin.
Dann fiel Luisa wieder ein, was sie ihren Freundinnen noch erzählen musste: „Wisst ihr, was heute Morgen außerdem passiert ist?“
Jeska wurde sofort hellhörig und ihre eisblauen Augen weiteten sich. „Was?“
„Meine Mutter hat Frau Kunze damit beauftragt mir einen Nachhilfelehrer zu besorgen!“
„Hinter deinem Rücken?“ Jeska sah entgeistert aus.
„Ja. Und wisst ihr, wer es ist?“
„Kaspar?“, versuchte Molly ihr Glück – sie stand schon seit einem Jahr auf den Jungen aus der 12 mit dem Alfa Romeo.
Luisa schüttelte ihren Kopf und ließ die Katze aus dem Sack: „Es ist Sam Weston!“
Jeska quiekte verzückt: „Sam Weston? Es ist wirklich unglaublich! Du bekommst Nachhilfe von Sam Weston! Unglaublich!“
Molly schaute sie kritisch an. „Sag bloß dein neues Lieblingswort ist jetzt ‚unglaublich’. Ich hatte mich gerade an ‚unfassbar’ gewöhnt. Und was war es davor?“
Luisa kicherte. „Da war alles ‚unmöglich’ und davor ‚ungewöhnlich’, oder?“
Jess zog lässig eine Augenbraue hoch und band sich ihre langen, braunen Haare, die ab der Mitte knallrot gefärbt waren, zu einem Pferdeschwanz zusammen. Ihr roter Nagellack passte natürlich perfekt zu ihren Haarspitzen. „Lenk doch nicht vom Thema ab! Ich habe das Gefühl, mit unserem Engländer stimmt was nicht!“
„Jetzt fang bitte nicht wieder mit deinen Verschwörungstheorien an“, fuhr Molly auf. „Wir hatten deswegen schon genug Ärger!“ Sie runzelte die Stirn und trank einen Schluck von ihrem Kaffee.
Aber Jeska ließ sich nicht beirren und mutmaßte: „Bestimmt hat er Verbindungen zum Königshaus oder sein Vater arbeitet beim Geheimdienst der Queen.“
„Dem MI6?“, hakte Molly belustigt nach.
„Ja, beim MI6, genau. Und sie müssen hier in Deutschland untertauchen, da Sams Vater ein Staatsgeheimnis aufgedeckt hat“, flüsterte Jeska und beugte sich dabei immer weiter zu Luisa und Molly herüber.
„Du hast unseren letzten Detektiveinsatz hoffentlich nicht vergessen, Jess“, lachte Luisa und holte ihr Schulbrot aus der Tasche.
Jeska war überzeugt davon gewesen, dass der neue Sportreferendar eigentlich ein verdeckter Ermittler der Polizei sei. Stundenlang hatten die drei ihm nachspioniert, weil sie ihn für einen Undercover-Polizisten wie in der Folge Coming Out ihrer Lieblingsserie Suburgatory gehalten hatten. Leider waren sie aufgeflogen und der Referendar hatte sich bei der Schulleitung über die aufdringlichen Schülerinnen beschwert. Natürlich war er kein verdeckter Ermittler und die Aktion hatte ihnen ein unangenehmes Gespräch zusammen mit ihren Eltern bei Frau Kunze und einige Stunden Nachsitzen eingebracht.
Molly rührte in ihrem Kaffee. „Manchmal glaube ich, deine Hirngespinste hängen mit deinen Essgewohnheiten zusammen.“ Skeptisch betrachtete sie das grüne Getränk in Jeskas Händen und fragte: „Was soll das überhaupt darstellen?“
„Das ist ein Green Smoothie, du Banause“, erklärte Jeska und nahm einen großen Schluck. „Ich mache eine Detox-Kur.“
„Detox? Was ist das denn?“ Luisa biss in ihr Käsebrot.
„Ich entgifte meinen Körper. In Amerika ist das momentan total angesagt. Der Smoothie besteht nur aus Spinat, Brennnesseln und Kiwi. Hab ich aus der Love Yourself.“
„Muss man mit sechzehn Jahren schon eine Entgiftung machen?“, fragte Luisa skeptisch.
Auch Molly schien nicht überzeugt. „Wohl kaum und erst recht nicht, wenn man dafür so was Ekeliges trinken muss.“ Sie starrte auf das wabernde, grüne Getränk. „Und ich dachte schon, deine vegetarische Lasagne wäre schlimm.“
Jeska holte pikiert Luft. „Was? Unglaublich! Wer von uns beiden hat denn letztens eine Papaya mit einer Avocado verwechselt und den Nachtisch versaut?“
Molly setzte sofort zum Gegenschlag an: „Du hast mich durch deine Streiterei mit dieser pedantischen Oma an der Gemüsetheke so durcheinander gebracht, dass ich mich einfach vergriffen habe.“
Jeska verkleinerte die Augen zu Schlitzen: „Wilde Mathilde, willst du mir sagen, es sei alles meine Schuld?“
Luisa verschluckte sich fast an ihrem Brot. Dass Molly eigentlich Mathilde hieß, war nicht direkt ein Geheimnis, aber alle Welt tat so, als wäre es eins. Niemand nannte Molly Mathilde. Es sei denn, man wollte sie zur Weißglut bringen. Und es schien auch jetzt zu funktionieren: Mollys Wutader trat an ihrer Stirn hervor. Es gab nicht viel, was ihre sanftmütige Freundin dazu brachte, ihr wütendes Gesicht zu zeigen.
Lachend fuhr Luisa dazwischen: „Leute, Waffenstillstand! Lasst uns lieber mal darüber reden, wie ich die Nachhilfe überstehen soll. Wisst ihr, wie die das jetzt nennen? Paten-Programm. Ich hab noch nie sowas Blödes gehört. Die könnten auch gleich Folter-Programm sagen.“
Für einen Moment hatte sie ihre Sorgen um Ophelia fast vergessen. Luisa rollte mit den Augen, aber bei dem Gedanken an Sams Lächeln fühlte sich ihr Magen plötzlich wirklich wie durch die Mangel gedreht an.

Ihre Hände waren ganz kühl und feucht, als die sechste Stunde langsam dem Ende zuging. Sie wusste nicht, woran es lag, aber Sam Weston machte sie ganz wirr.
Luisa malte einen Blauwal in ihr Matheheft, während die anderen an den Graphen zeichneten. Sie brauchte das gar nicht erst versuchen, denn sie hatte nicht den leisesten Schimmer, wie man die Punkte errechnete, aus denen dann diese Schnörkel und Geraden wurden.
„Psst“, Jeska winkte ihr vom Ende der Reihe zu.
Luisa blickte zu ihrer Freundin hinüber, die über das ganze Gesicht strahlte: „Ruf mich später an, wenn du was über Sams wahre Identität rausgefunden hast, ja? Ich muss jetzt schnell zu Jupiter und kann nicht mehr quatschen.“
Luisa nickte und versuchte den Kummer, der mit einem Schlag von ihr Besitz ergriff, nicht auf ihrem Gesicht erscheinen zu lassen. Wie gut Jeska es hatte, dass sie jetzt einfach zu ihrem geliebten Pferd Jupiter gehen und sich um ihn kümmern konnte. Eigentlich wäre sie jetzt auf direktem Wege zusammen mit ihren Freundinnen zum Valentinshof gefahren. Aber ihre Mutter musste ja unbedingt ihr Leben zerstören.
Es klingelte.
Wie aus dem Nichts stand Molly an ihrer Seite und tätschelte ihre Schulter. „Das wird schon wieder alles, Lu.“
Luisa sah zu ihr auf. „Hoffentlich“, sagte sie und sah Mollys blondem Zopf nach, der fröhlich wippte, während ihre Freundin zusammen mit Jeska den Klassenraum verließ.
Ohne Eile packte Luisa ihre Sachen zusammen.

To be continued ❤

Mehr vom Feenfuchs? Dann hier entlang: https://www.facebook.com/pages/Feenfuchs-und-Feuerkuss-Pferderoman/274654729342829?fref=ts Wir freuen uns über alle Fragen, Anregungen oder Likes ❤

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s